- Kurt Felix (Lymphdrüsenkrebs, † 16. Mai 2012)
- Donna Summer (auf jeden Fall Krebs, † 17. Mai 2012)
- Robin Gibb (Darm- und Leberkrebs, † 20. Mai 2012)
- Kurt Felix (Lymphdrüsenkrebs, † 16. Mai 2012)
- Donna Summer (auf jeden Fall Krebs, † 17. Mai 2012)
- Robin Gibb (Darm- und Leberkrebs, † 20. Mai 2012)
Baby,
Life’s what you make it
Celebrate it
Anticipate it
Yesterday’s faded
Nothing can change it
Life’s what you make it
Talk Talk – Life’s What You Make It
Ich bin jetzt erstmal raus. Das heißt: Ich mach jetzt erstmal, was ich will. Verrückt. Ich mache einfach, was ich will. Im Rahmen meiner Möglichkeiten. Die Grenzen meiner Möglichkeiten werden gezogen durch mein eigenes Gefühl in Bezug auf die Dinge, das jedoch von der momentanen und auch weiteren medikamentösen Behandlung getrübt sein könnte. Im Rausche meiner Wunderpillen und -infusionen sollte ich mir selbst also eher behutsam, sagen wir mal, mit Vorsicht begegnen. Damit ich nicht vergesse, wer ich heute bin, nehme ich jeden Tag ein Foto auf, das ich knallhart im Internet veröffentliche, um mich nicht nur von meiner behandelnden Ärztin, nein, gleich von der ganzen Welt einschätzen zu lassen. Wie verändert sich mein Blick, meine Frisur, wann wachsen mir Kiemen oder Elfenohren?
Wann wachse ich vom Über-mich-hinaus zurück ins Tal meiner Täler? Und können Täler nicht auch irgendwie schön und befriedigend sein?
(Außerdem schreibe ich ungefähr alles auf, was mir einfällt. Neuerdings sogar Leserbriefe an die Zeitung, aber dazu später mehr. Diese Kolumne z. B. Ist auch viel länger als die bisherigen 73 Sonntagskolumnen und Sonderausgaben. Ich weiß zu diesem Zeitpunkt nicht einmal, ob ich jemals wieder mit dem Schreiben dieser Kolumne aufhören und stattdessen ins Bett gehen werde – momentan tendiere ich zum Weiterschreiben, aber das finden wir jetzt einfach mal gemeinsam heraus!)
Ich soll mich von Menschenmassen fernhalten. Ist das nicht super? Ich hasse Menschenmassen! Ich hasse Menschen (manche, meistens nur in Massen)! Allein schon, wenn ich Leserbriefe in der Zeitung lese. Ich lese sie konsequent, denn es ist immer noch gesünder, sich einzureden, den Großteil der Menschen zu hassen, als sich selbst, der man sich doch aus masochistischen Gründen Leserbriefen ausliefert, die einem die Stimmung versauen. Und das wusste man doch vorher schon genau!
Heute zum Beispiel fragte die hiesige Regionalzeitung ihre eifrige und recht dörflich gewickelte Leserschaft danach, ob man diesen seltsamen „Homosexuellen“ denn nun eigentlich mal zumindest annähernd das erlauben soll, was im heterosexuellen Rahmen „Ehe“ genannt wird (und als gute Idee oft genug widerlegt wurde), denn bisher schenkt die „Homo-Ehe“ den Betroffenen meines Wissens mehr Pflichte als Rechte.
Die Antworten der Leser trafen mich irgendwo in Richtung der Magengrube, dabei hatte ich bereits gefrühstückt. Sofort zückte ich meine Feder und verfasste einen Leserbrief, der sicherlich nie veröffentlicht wird, dabei blieb ich sogar recht seriös. Hier, bitte, jetzt ist er plötzlich doch schon mal veröffentlicht:
„Betreff: Bezug auf ‘Leser-Antworten Homo-Ehe’
Sehr geehrte Redaktion!
Bereits Ihre Fragestellung, ob man es homosexuellen Paaren erlauben sollte, die Ehe zu schließen, ließ bei mir Unmut aufkommen. So richtet sich diese Frage doch bereits an eine heterosexuelle Bevölkerung, die Sie für Ihre Leserschaft halten und die nun ihr Urteil fällen soll. Dass am Ende so ein Ungleichgewicht an Meinung entsteht, dass mit einem angeblich homophoben Gott argumentiert, aus dem Alten Testament zitiert und somit mal eben Jahrhunderte gesellschaftlicher Entwicklung, das deutsche Grundgesetz und die Realität außer Acht gelassen wird – das ist mehr als enttäuschend. Ob ihre Auswahl an Leserbriefen repräsentativ für die erhaltenen Zuschriften sein mag, möchte ich hier gar nicht bezweifeln. Dass sie solchen weltfremden Ansichten aber unkommentiert ein Forum bieten und damit den Anschein erwecken, dieser Grad an Ignoranz, Unwissen, Verachtung und letztlich Angst vor einer angeblichen ‘homosexuellen Bedrohung’ sei gesellschaftstauglich und völlig okay, halte ich für einen relativ fahrlässigen Ansatz. Schon gewusst, dass die meisten jugendlichen Selbstmörder nicht mit ihrer Sexualität klarkamen, in einer Gesellschaft, die ihnen ständig das Gefühl gibt, nicht die gleichen Rechte zu verdienen? Allen gläubigen Leserinnen und Lesern empfehle ich, sich an die Zehn Gebote zu erinnern. Sollte ein Gott etwas “verabscheuen”, wie eine Leserin schrieb, dann doch wohl eher die sich dem Leben und der Liebe verschließende Engstirnigkeit einer Gesellschaft.“
So. Wenn man den (Sonn-)Tag so beginnt, kann man davon ausgehen, dass er gut weitergeht. Wer um elf vormittags bereits gefrühstückt und einen Leserbrief an die ansässige Zeitungsredaktion geschrieben hat, kann davon ausgehen, dass er sich abends ganz entspannt irgendeine bescheuerte Comicverfilmung im Privatfernsehen anschaut und die für den ganzen Tag geplante Sonntagskolumne einfach mal kurz vor Mitternacht und Sonntagsende hinrotzt.
Und da diese Kolumne irgendwie an den Sonntag gebunden ist, höre ich trotz noch nicht ganz rekordverdächtiger Überlange damit auf, bevor der Sonntag eben vorbei ist – nein, bevor ich mich in Grund und Boden schreibe und am Ende noch von meinem Mittagsessen, meinen verwirrenden Träumen und intimsten Gedanken berichte – das alles, liebe Kinder, erfahrt ihr in der nächsten Kolumne. Seit ich Medikamente schlucke, verliere ich nämlich nach und nach mein Schamgefühl. Es wäre also nett, wenn mir demnächst mal einer eine reinhauen könnte, denn mir selbst, wie eingangs erwähnt, begegne ich ab jetzt mit einer gewissen Vorsicht.
Armed with wealth and good health
The best of health
In the future when all’s well
I will lie down and be counted
In the future when all’s well ”
Baby,
Life’s what you make it
Celebrate it
Anticipate it
Yesterday’s faded
Nothing can change it
Life’s what you make it ”
Stell dir mal vor, man könnte das einfach so rausschneiden. Also nicht du selbst. Bist ja kein Chirurg. Bist ja nur Tagträumer, Hinfaller, Aufsteher, Weggucker. Wegducker. Aber das wird jetzt einfach rausgeschnitten, stell dir das mal vor. Ein Skalpell, ein Schnitt und dann bist du’s los: Den (Selbst-)Hass, den Schmerz, das Sichnichttrauen, das Nichtmanselbstseinkönnen. Tschüssi. Dann eine Narbe. …
There’s something inside you
It’s hard to explain
They’re talking about you, boy
But you’re still the same ”
I wanna breathe again, I wanna dream
I wanna float a quote from Martin Luther King
I am not afraid
I am not afraid
I am not afraid ”